Lobenberg: Das Flaggschiff von Artadi. El Pisón ist ein Weinberg mit 2,4 Hektar in Laguardia, die Reben wurden 1945 gepflanzt und stehen in Südostexposition. Aber auch dieser Wein hat sich im Charakter mit 2022 durchaus verändert durch die Reduzierung von Neuholz, durch den Ausbau im Tonneau, Demi-Muid und 3000-Liter-Fass. Klar, durch die verbliebenen 20 Prozent Neuholz haben wir immer noch eine leichte Kaffeenote in der Nase, Röstaromen und etwas Kokos. Viel schwarze Frucht, die aus der Lage und dem Alter der Reben stammt. Aber das atmet der Wein auch weg, das verträgt er. Schwarzkirsche, etwas Cassis, aber das Ganze sehr fein bleibend. Eher wie ein Merlot vom Kalkstein-Plateau Saint-Émilions. 2022 in dieser unendlichen Feinheit, Troplong Mondot ging in diese Richtung… Auch ein Hauch von Cabernet darunter, der natürlich nicht vorhanden ist, denn es ist ein reiner Tempranillo. Aber irgendwo schwankt der Wein ein bisschen zwischen Figéac und Troplong-Mondot, dazu hat er rotfruchtige Elemente wie ein Léoville-Las-Cases. Im Grunde hätte ich blind eher auf dieses ultrafeine Bordeaux-Jahr 2022 getippt als auf den El Pison, den ich bisher nur mit deutlich mehr Holz geschminkt kannte. Helle Lakritze, Nutella und Pralinen dahinter, dazu Sahne und Karamelle. Sehr schicke Nase – fein! Man ahnt den Gerbstoff, aber das Ganze ist seidig und poliert. Der Wein hat einen tiefen pH-Wert und deshalb hat er im Mund eine unglaublich Frische! Das hätte ich 2022 gar nicht vermutet. Wir hatten das zwar schon in Form von Assoziationen an Hochlagen-Sangiovese im Valdegines und Chambolle Musigny im La Hoya. Aber im El Pison kommt das in einer so konzentrierten Form! Sehr schlanke, intensive Säure wie aus früh gelesenen Himbeeren – früh gelesene Pinot Noir, dazu frische Merlot, Sangiovese und ergänzt von Cabernet Sauvignon aus Saint-Julien. Ein Tanz um die Mitte herum – hochintensiv! Das ist Finesse pur – nicht ansatzweise so eine Wuchtbrumme wie in den Jahren und Jahrzehnten davor. Jetzt ungeschminkt nur die Wahrheit zeigend, nur das Kalkstein-Terroir mit dieser hohen Salzfracht. Hochlage, Cool Climate, spielerisch. Aber man muss Frische mögen, eindeutig. Wenn ich das jemandem im Vorfeld gesagt hätte, dass man 2022 bei Artadi eine so ausgeprägte Frische und Säure erlebt – niemand hätte das geglaubt. Ich war aber etwas vorgewarnt vom anderen Biodynamiker Oxer. Auch seine Weine, speziell der Kalamity, waren fast explosiv in ihrer Frische. Auch im El Pison sind dazu die Tannine in einer spielerischen Leichtigkeit und trotzdem intensiv vorhanden. Der Wein steht für zwei Minuten in seiner Léoville-Las-Cases-artigen Frische. Langsam kommen Assoziationen an Château Lafite dazu – gerade der 2022er Lafite könnte hier mit seiner unglaublichen Feinheit Pate gestanden haben. Definitiv ist Artadi 2022 eine absolut neue Erfahrung. Das Weingut steigt auf in den Reigen der absoluten Finessewinzer. Pison 2022 ist großes, feines, frisches Kino! 100+/100***Erstmals mit dem Jahr 2022 hat der seit 15 Jahren heiß herbeigesehnte Wechsel in Vergärung und Ausbau bei Artadi stattgefunden. Ab 2022 wird ein Großteil der Weine in Demi-Muids (600 Liter) und ein kleinerer Teil in Tonneaux (500 Liter) ausgebaut. Nur eine sehr geringe Anzahl Barriques verbleibt. Der Neuholz-Anteil ist inzwischen auf 20 Prozent gesunken. Nach der Vergärung im großen Holztank findet die Malo in den kleinen Holzfässern statt. Nach acht Monaten gehen die Weine in 3000-Liter Holzfuder. Danach folgt der Umzug nach sechs bis acht Monaten in den Stahltank. Dieser radikale Wechsel in Ausbau und Vergärung führt bei Artadi dazu, dass der Holzeinfluss dramatisch reduziert wird. Die Frucht und das Terroir stehen jetzt deutlich im Vordergrund. Schade eigentlich, dass es 15 Jahre gedauert hat, bis der Besitzer Juan Carlos und sein französischer Winemaker Jean-Francois einsichtig wurden. Dazu brauchte es erst die zahlreichen Reisen des Sohns Carlos durch die Weinwelt. Artadi beschreitet nun den Weg hin zur Finesse, der nun in Bordeaux, aber auch in der Rioja wie etwa bei Cuentavinas oder Oxer gegangen wird. Fette Frucht, Holz und brutale Tannine sind out. Jetzt zählen nur noch Feinheit und Finesse.
Tempranillo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2033–2073
Verpackt in: 6er OHK
Lobenberg: 100+/100
Spanien, Rioja
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Bodegas Artadi, Ctra. Logrono, s/n., 01300 Laguardia (Alava), SPANIEN
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