Lobenberg: Clos Manou besteht 2022 aus 60 Prozent Cabernet Sauvignon, 35 Prozent Merlot, drei Prozent Petit Verdot und zwei Prozent Cabernet Franc. Es gibt 65.000 Flaschen von diesem Wein. Er hat 14,7 Volumenprozent Alkohol, einen pH-Wert von 3,5 und 3,5 Gramm Säure. Top-Werte für 2022, grandiose Frische bei PH nur 3,5! Gelesen wurde vom 14. September bis zum 8. Oktober. Bis auf die Cabernet Franc wurden alle Sorten vor der Vergärung entrappt. Ich probiere Clos Manou schon so lange. 2020 war genial, 2019 war genial, sogar 2021 war großes Kino. Aber 2022 ist trotz des Ertrags von 50 Hektolitern pro Hektar unglaublich. Und es ist unglaublich, dass es nur ein Médoc ist und nicht ein Pauillac, und das in diesem Preisbereich, fast eine Frechheit! Und die größte Frechheit ist, dass keiner der angesagten Journalisten den Mut hat von der Norm abzuweichen und zu sagen was ist. Dass es einer der größten Weine des linken Ufers ist. Wozu braucht man die hoch dekorierten Journalisten, wenn sie nur die bekannte Mainstream Klassifikation runterbeten können? (Nur unter der Hand sagte der Parker-Verkoster, dass sich bei der Qualität die 1er und Superseconds warm anziehen müssten und er schreibt Clos Manou an die oberste Stelle der Geheimtipps des Jahrganges, zu mehr als 91-93 reicht dann sein Mut und seine Standard-Denke und Angepasstheit nicht) So dicht, extrem voluminös, die Merlot ist 2022 grandios ausgefallen, was man schon im Zweitwein gemerkt hat, der ebenfalls genial war. Schlehe, druckvoll mit Sauerkirsche, dazu saure, aber reife Zwetschge. Viel, viel Druck in der Nase zusammen mit Veilchen, Rosenblättern, heller Lakritze, Nougat und viel Salz. Unglaublich spannungsgeladen und dynamisch in der Nase! So viel satte, pikante rote Frucht. Erst langsam kommen Cassis und rote Johannisbeere. Wow, was für eine Ode, was für eine burgundische, voluminöse Nase! Mit dieser Frische und dem Salzgehalt ist das tendenziell ein Vosne-Romanée. Ein maskuliner Burgunder eben. Im Mund für den Jahrgang ungewohnt, nach allem, was wir in dieser Woche probiert haben: Clos Manou hat so viel Grip, er ist so extrem pikant und erinnert viel mehr an 2019. Hohe Säure und geniale Frische. Satte rote Frucht, die rote Johannisbeere, dazu etwas rote Paprika und viel säurebeladene, dunkle Himbeere und Sauerkirsche mit Zwetschgen. Dahinter kommt Holunder und helle Lakritze, aber alles bleibt tendenziell auf roter Frucht. Archetypisch linkes Ufer. Tendenziell vom Charakter eher ein Pauillac als ein Médoc. Und er hat auch eben diese Klasse eines Pauillacs! Was für eine Intensität! Der Wein hört mit seinem Salz und seiner genialen Frische überhaupt nicht wieder auf. Für mich ist es unverständlich, dass ein Wein in diesem Preisbereich so sexy sein kann, so Pauillac und so hohe Klasse aufweisen kann. Für mich ist das deshalb im Preis-Qualitäts-Verhältnis der Wine of the Vintage, weil er so grandios ist für so kleines Geld. 5 große Jahrgänge hier in Folge mit vielleicht der Krönung in 2022. 98-100/100***Das kleine Weingut Clos Manou liegt im äußersten Norden des gesamten Médoc-Gebiets, weit nördlich von Saint Estèphe. Der direkte Nachbar ist Chateau Haut Maurac. Auch Château Carmenere liegt nicht weit entfernt. Clos Manou wird vom Besitzer Stéphane Dief persönlich bearbeitet. Zwar in einer nicht zertifizierten, aber extrem biologischen Weinbergsbearbeitung, mit winzigen Erträgen. Dichtpflanzung von über 10.000 Stöcken pro Hektar. Ertrag pro Pflanze unter 500 Gramm, winzige Träubchen, sehr tief und nahe am Stamm. Bei 10.000 Stöcken nur 40-50 Hektoliter pro Hektar, da bleibt nicht viel pro Stock. Wenn man die Arbeit im Keller sieht, die Stephan durchführt, wird einem schwindelig ob dieses wahnsinnigen Einsatzes. Er hat spezielle Rütteltische zur Entrappung, inzwischen sogar optische Laser-Nachsortierung der Trauben. Ausgebaut wird im Barrique und in Ton- und Betonamphoren. Er macht auch einen superben Zweit- und einen immer noch sehr respektablen Drittwein. In diesen Erstwein geht also nur das allerbeste Material. Hier wird nichts unversucht gelassen. Stéphane ist ein echter Fanatiker der Qualität. Und wäre es nicht Haut-Médoc, sondern Pauillac, wären seine Weine, zusammen mit Pontet-Canet, immer im 100-Euro-Bereich aufwärts. Das ist seit vielen, vielen Jahren großes Kino und wird auf Grund der Randlage und zahlreicher »nur Etikettentrinker« total unterbewertet. Clos Manou kann man seit den Jahren 09, 10 und vielleicht schon ab 05 nicht mehr mit den normalen Vergleichsmaßstäben des Médoc und Haut Médoc werten. Wer schon mal auf dem Château war, wer gesehen hat wie in dieser Dichtbepflanzung mit den winzigsten Erträgen pro Stock einfach diese extrem feinen Finesseweine gewonnen werden, die gleichzeitig diese irre Spannung aufweisen, der nimmt Abschied von der Klassifikation von Bordeaux. Es geht nämlich am Ende nicht um alteigesessene große Namen, es geht um Rebbestand, es geht um Terroir, das seit der Hinwendung zum mediterranen Klima hier im Haut-Médoc einfach perfekt geeignet ist. Es geht um die Böden und es geht um die akribische Arbeit.
Cabernet Sauvignon 60%, Merlot 35%, Petit Verdot 3%, Cabernet Franc 2%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2030–2060
Verpackt in: 12er OHK
Lobenberg: 98–100/100
Jane Anson: 94/100
Quarin: 94/100
Decanter: 94/100
Gerstl: 19+/20
Frankreich, Bordeaux, Haut Medoc
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Clos Manou, 7, rue du 19 mars 1962, 33340 Saint Christoly de Medoc, FRANKREICH
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