Lobenberg: Château Jean Faure umfasst 18 Hektar und ist direkter Nachbar von Château La Dominique und Cheval Blanc, alle haben sie gemeinsame Grenzen. Cheval Blanc und Jean Faure dabei auf gleichem Terroir. Lehmböden mit einer sehr guten Wasserversorgung. La Dominique leider aber fast nur Sand. Die Lehmböden und ihre Weinberge in Pomerol und Saint Emilion, genau wie andererseits die reinen Kalksteinterroir auf dem Plateau, speichern das Wasser des Winters und leiden nicht so stark unter den trockenen Hitzejahren, wie wir sie seit 2015 fast durchgängig haben. Jean Faure wurde im Laufe der letzten 10 Jahre deutlich auf Dichtpflanzung umgestellt. Die vorhandenen Reben sind zum großen Teil weit über 80 Jahre alt. Mit der Dichtpflanzung geht der Ertrag inzwischen auf unter 500 Gramm Trauben pro Stock zurück. Bio und Biodynamie werden hier ganz großgeschrieben (die Umstellung und Zertifizierung ist fast abgeschlossen), weil der Besitzer Olivier Decelle das Ganze auch schon auf seinem Roussillon-Weingut Mas Amiel praktiziert. Olivier konnte den auf Vermittlung und Beratung des Önologen Éric Boissenot zustande kommenden Kauf des Weinguts 2004 durch den Verkauf seiner Ladenkette für frozen food bezahlen. Das Weingut gehörte früher Madame Loubat, der vor dem Verkauf an Moueix auch das Château Pétrus gehört hat. Sie wollte jedoch nicht an die meistbietenden Nachbarn wie Cheval Blanc verkaufen und so kam der externe Olivier Decelle zum Zuge. Der Berater des Weinguts ist inzwischen der sehr auf Biodynamie ausgerichtete Daniel Duclos. Die Weinberge werden mit dem Pferd gepflügt, um die Verdichtung zu minimieren. Der sanfte Rebschnitt nach Simonit wurde bei Jean Faure erstmals 2018 eingeführt. Damit werden der Saftfluss und die Versorgung der Reben verbessert. Gleichzeitig kann Krankheiten und Infektionen besser vorgebeugt werden. Der neue Berater Duclos ist Spezialist dafür und sein Vater gilt als Pionier für den sanften Rebschnitt in Saint-Émilion. Die Trauben werden – je nach Notwendigkeit – zum Teil entrappt, zum Teil als Ganztraube in die Fermentation gegeben. Diese findet im rohen Zement oder im Holz statt. Ohne Temperaturkontrolle, aber es gibt auch keine Kaltmazeration davor. Wir sind hier komplett zurück in der Ursprünglichkeit. Grundsätzlich wird kein externer Schwefel bis zum Frühjahr nach der Lese eingesetzt. Alle Prozesse laufen schwefelfrei, wie Olivier Decelle das bei Frau Lapasse in der Schweiz gelernt hat, die ihm sagte: »Vergärung mit Schwefel ist wie Schwimmen mit Haien.« Das schwefelfreie arbeiten setzt jedoch voraus, dass extrem sauber und penibel gearbeitet wird. Leiterin und Geschäftsführerin des Teams ist Marie-Laure Latorre, sowie ein weiterer Assistent, der zuvor bei Beauregard gearbeitet hat. Der 2020er ist eine Cuvée aus 65 Prozent Cabernet Franc, 30 Prozent Merlot und fünf Prozent Malbec. Die Cabernet Franc ist zu 20 Prozent nicht entrappt und wurde als Ganztraube vergoren. Die Fermentation fand spontan und ohne Schwefel im Betontank und Holzfuder statt. Ausgebaut wird auf der Feinhefe zu 15 Prozent in großen Holzfudern von 1200 und mehr Litern, zu 20 Prozent im Beton, zu 30 Prozent in gebrauchten Barriques und zu 35 Prozent in neuen Barriques. Die Ernte fand für den Merlot vom 10. bis zum 17. September statt, für Cabernet Franc vom 17. bis zum 27. September. Der Malbec wurde dazwischen gelesen. Von Jacques Boissenot, dem legendären önologischen Berater aller Top-Weingüter des Médoc, kommt die Empfehlung, den Blend der Weine schon im frühen Stadium, vor der ersten Schwefelung, stattfinden zu lassen. Die finale Assemblage wird also nach der Verkostung ohne Schwefel erzeugt. Die Weine wandern dann wieder zurück in die Fässer. Schwefel wird erst in der zweiten Märzhälfte hinzugefügt. Diese enorm frühe Entscheidung vor der Schwefelzugabe lässt zu, dass die Weine besser beurteilt werden können. 2020: Die Nase des Nachbarn von Cheval Blanc ist jetzt seit 2015 immer weiter im Fortschritt Richtung Feinheit. Zarte rote, würzige Himbeere, etwas Erdbeere dahinter. Ein klein wenig rote Kirsche und frische Zwetschge, ein leichter Touch Thymian. Sehr ätherische, feine, aromatisch-tänzelnde Nase. Der Mund zeigt eine immense Frische und kühlen Trinkfluss und widerspiegelt sicher einen Wein, den wir niemals in Bordeaux verorten würden. Das ist eher ein Loire-Wein. Dieser Anteil von Rappen tut sein Übriges, um eine schöne Frische darzustellen. Sehr reifes Lesegut und gleichzeitig ein kühler, feiner Trinkfluss. So verspielt im Mund. Einfach nur eine Freude, ein hedonistisches Leckerli. Nicht ganz die überbordende Frische und freakige Aufregung aus 2019. Und auch nicht ganz die Üppigkeit und die kraftvolle Wucht des immens reichhaltigen 2018er. 2020 weckt eher Erinnerungen an 2016, in seiner unendlichen Feinheit und Verspieltheit mit profunder Power darunter. Ganz feine Lakritze zieht sich durch diesen Wein, auch etwas Milchschokolade und Minze, die eindeutig von den Rappen kommt. Große Harmonie und eine hervorragende Balance. Mich erinnert 2020 eher an eine Mischung aus 2016 und 2015, mit einem leichten Hauch der Frische aus 2019. Eine große Freude, ein wunderschöner kühler Trinkfluss, mit einem traumhaft tänzelnden, hervorragend balancierten Finale. Eine leichte Honigspur, mit Karamelle und Salz, begleitet den tiefen und profunden Nachhall. Extrem delikat, extrem lecker. Die Flasche wird nie Gefahr laufen, nicht geleert zu werden. Die nächste aus dem Keller ist schon im Anmarsch. Ein Zechwein oberster Kategorie. 98-100/100
Cabernet Franc 65%, Merlot 30%, Malbec 5%
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2060
Verpackt in: 1er OHK
Lobenberg: 98–100/100
Yohan Castaing: 95–97/100
Weinwisser: 95–96/100
VertdeVin: 95/100
Revue du Vin de France: 94–96/100
Suckling: 94/100
Jane Anson: 94/100
Jeb Dunnuck: 94/100
Parker: 94/100
Gerstl: 20+/20
Frankreich, Bordeaux, Saint Emilion
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Jean Faure, , 33330 Saint Emilion, FRANKREICH
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