Lobenberg: Das Weingut hat nur 7,6 Hektar. Der Park um das Château ist allerdings vier Mal so groß. Über 10.000 Stöcke pro Hektar. Also extrem kleine Erträge pro Pflanze, weniger als ein halbes Kilo. Über 40 Jahre alte Reben. Wie haben hier überwiegend Kiesböden mit tiefem Lehm und Kalkstein. Eine spannende Kombination, gerade in trockenen Jahren, denn die Lehmböden sind ein idealer Wasserspeicher. In Bordeaux gab es 2020 eine unglaubliche Regenmenge im Frühjahr. Während der frühen, aber perfekten Blüte, blieb es zwei Wochen lang trocken, direkt danach gab es wieder Regenfälle. Von Mitte Juni bis Mitte August fiel dann allerdings kein einziger Tropfen Regen mehr. Bei Sandböden war das ein Desaster – die Reben bekamen Trockenstress. Bei Lehmböden, wie wir sie in den besten Lagen des Médoc und Pomerol haben, oder auf reinem Kalkstein, wie oft in Saint-Émilion, war das überhaupt kein Problem. Zumal Mitte August circa 80 Millimeter Regen fielen. Ende August nochmal 15 Millimeter. Danach war es den ganzen September über trocken. Also ziemlich perfekte Bedingungen für hervorragendes Terroir, perfekte Bedingungen für hohe Reife und satte Tanninwerte, bei recht moderater Säure. Les Carmes Haut-Brion ist das einzige Château überhaupt, das mit Adresse direkt in Bordeaux liegt. Die Weinberge liegen direkt neben Haut-Brion, besseres Terroir in der Appellation gibt es nicht. Zwischenzeitlich war das Weingut im Besitz der Familie Chantecaille und wurde von Didier Furt geleitet. 2010 wurde es an eine Investorengruppe um Patrice Pichet verkauft – dieses große Terroir weckt nun mal Begehrlichkeiten. Guillaume Pouthier, zuvor Weinbergsdirektor bei Chapoutier, wurde zum Direktor ernannt, Stéphane Derenoncourt ist seit mehreren Jahren beratend tätig. Das einzig Negative, was sich über diese traditionell bereiteten, klassischen, tiefen und komplexen Weine sagen lässt, ist, dass es leider immer viel zu kleine Mengen von ihnen gibt. 2016 wurde ein kompletter Neubau direkt neben dem alten Château errichtet. Ein von Philippe Starck designter Komplex. Modern, aber auch genial. Die Besonderheit bei Carmes Haut-Brion ist auch die Art der Vinifikation. 55 Prozent der Trauben werden nicht entrappt und als Ganztraube in die Vergärung gegeben. Die Beeren werden auch nicht angequetscht, um nur die weicheren Tannine aus den Häuten zu extrahieren und nicht die grünen Tannine aus den Kernen. Bei der spontanen Vergärung im Betontank wird ein Schichtverfahren angewendet. Entrappte und nicht entrappte Schichten wechseln sich ab, die Flüssigkeit wird völlig natürlich umgewälzt, sodass immer alle Beeren von Saft umgeben sind. So wird eine sanftere und gleichmäßigere Extraktion sichergestellt. Das Ganze nennt sich passive Extraktion. Nach der ersten Fermentationsphase wird der Free Run Juice weiter separat fermentiert. Der Rest wird sanft abgepresst. Beide Partien werden nach acht Tagen der Fermentation wieder vermählt. All das wird getan, um nichts Hartes in die Weine zu bekommen und trotzdem die Frische aus Rappen zu erhalten. Ausgebaut wird in 80 Prozent Neuholz, die restlichen 20 Prozent werden im Betontank und in Lehmamphoren. Durch die Amphoren soll die reine Frucht bewahrt werden. Es wird biodynamisch gearbeitet, allerdings ohne Zertifizierung. Der 2020er besteht aus 39 Prozent Cabernet Franc, 20 Prozent Cabernet Sauvignon und 41 Prozent Merlot. Der Ertrag lag bei 38 Hektolitern pro Hektar. Gelesen wurde zwischen dem 14. und dem 26. September. Der hohe Rappenanteil kommt in erster Linie von Cabernet Franc und von Merlot, keinesfalls von der Cabernet Sauvignon. Die Nase ist extrem würzig und saftig. Voll und reich. Schwarze Kirsche, Cassis, süße Maulbeere, ein bisschen Holunder, viel Lakritze und ein bisschen Blaubeere darunter. Der Wein ist fast schwarz, unglaublich dicht. Man wird ein bisschen an einen Hermitage glauben können. Zumal der Direktor Guillaume Pouthier vorher der Weinbergs-Direktor bei Chapoutier war. Aber uns wurde versichert, dass hier nicht gemixt wird… Auf jeden Fall eine immense Nase. So satt, so dicht, so überwältigend. Im Mund werden Zunge und Gaumen überschwemmt von einer immensen Aromatik an frischer Frucht. Satte schwarze Kirsche, Cassis, wieder diese süße Maulbeere, Massen von Veilchen. Aromatisch und blumig bis zum Geht-nicht-mehr. Und gleichzeitig ungeheuerlich dicht. Konzentriert, aber mit butterweichen, nein fast seidigen Tanninen. Nur von allem viel und reichlich. Und aromatisch bis zum Abwinken. Tolle Salzigkeit, extremer Fokus. Super klar gezeichnet schiebt der Wein bis in ein Minuten andauerndes Finale. Großer Stoff, braucht aber Zeit. Nach 2019 der zweite glasklare Superstar, der gar nicht anders kann als 100 Punkte zu bekommen. 100+/100
Merlot 41%, Cabernet Franc 39%, Cabernet Sauvignon 20%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2069
Verpackt in: 1er OHK
Lobenberg: 100+/100
Decanter: 100/100
Wine Enthusiast: 100/100
Yohan Castaing: 98–100/100
Gerstl: 20/20
Galloni: Wine of the year
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Carmes Haut Brion, 197, av. Jean Cordier, 33600 Pessac, FRANKREICH
In der 1er Original-Holzkiste erhältlichq
Wenn Sie einen Wein kaufen, erhalten Sie diesen kostenfrei in der Original-Holzkiste.
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