Lobenberg: 47% Merlot, 47% Cabernet Sauvignon, 6% Petit Verdot. Seit einigen Jahren nun biodynamisch zertifiziert. Dementsprechend ist die Art der Behandlung eine ganz andere, als bei den Konventionellen. Systemische Mittel entfallen, und anders als bei Pontet Canet, ist Palmer noch nicht so lange in biodynamischer Bewirtschaftung, dass alles resistent geworden ist. Das heißt, dass es hier zu einigen Mengenausfällen kam. Die jüngeren Reben hatten große Ausfälle, was vor allem den Zweitwein Alter Ego betrifft, der in der Menge halbiert wurde. Aber auch der Erstwein verlor um die 15% der Gesamtmenge durch Mehltau. Qualitativ hat das keine Auswirkungen. Die Blüte danach war ziemlich perfekt. Danach gab es wieder leichten Regen, also Verrieselung, die Versorgung aber war gut. Dann diese lange Trockenperiode, die aber in der Regel für Biodynamiker, speziell auf diesen lehmigen, sandigen, kiesigen Böden nicht so sehr problematisch war. Das Ergebnis dieser Verluste im Frühling war ein Hektarertrag von nur 29 Hektolitern pro Hektar. Im Gegensatz dazu: Chateau Margaux hatte 50 Hektoliter pro Hektar. Da sieht man einfach den Unterschied in der Weinbergsbearbeitung und dem gewollt geringen Ertrag pro Pflanze. Dazu muss man erwähnen, dass man bei Chateau Palmer bereits bei einer Pflanzdichte von 10.000 Stöcken pro Hektar angekommen ist. Das Ziel von unter 500 Gramm pro Pflanze ist locker erreicht. Wir sind inzwischen bei deutlich unter 500 Gramm und sie haben zwei Hektar im Besitz, die mit 20.000 Pflanzen bestückt sind, bei gleichem Gesamtertrag je Hektar. Das heißt, wir kommen dort auf nur 3 kleine Träubchen und ein Gesamtgewicht von unter 300 Gramm pro Pflanze. Das Ziel ist eigentlich nicht der Hektarertrag, sondern der Ertrag pro Pflanze. Und diese 300 Gramm pro Pflanze, entsprechend in etwa dem gleichen Extremismus eines Roberto Voerzio, der in Barolo praktiziert, oder wie Dominique Leandre Chevalier in der Cotes de Blaye. Chateau Palmer hat zwar später angefangen mit der Biodynamie als Pontet Canet, aber im Bezug auf Ertrag pro Pflanze und ambitionierter Zielsetzung ist Palmer im Medoc vielleicht sogar ganz vorne. Die Nase ist unglaublich würzig und tief. Sehr viel reife Pflaume. Und in ihrer Natürlichkeit erinnert diese Nase verblüffenderweise auch an den anderen Biodynamiker Pontet Canet. Auch hier haben wir so eine erdige Würze, die aber auch durch die extreme Ertragsreduktion kommen. Die natürliche Konzentration wird so hoch, ohne das die Weine in irgend einer Weise marmeladig werden. Im Gegenteil, sie werden eher feiner, aber sie strahlen Natur pur aus. Auch liegt es daran, dass in beiden Weingütern nach der alkoholischen Fermentation nicht geschwefelt wird. Auf beiden Weingütern wird erst zur Abfüllung geschwefelt bzw. beim Umziehen. Das gibt eine extra Dimension, eben eine Art Naturwein. Die Nase ist frisch und gleichzeitig würzig. Erdig, tief, pflaumig, schwarze Kirsche. So unglaublich profund von unten heraus. Druckvoll. Aber so etwas, was man vor 5 oder 10 Jahren überhaupt nicht als großen Palmer gesehen hätte. Kein Holzeinfluss ist zu spüren, obwohl der Ausbau nur im neuen Holz geschieht. Der Mund ist sehr schick. Kann man nicht anders sagen. Eine Fülle von verschiedenen Kirscheindrücken. Rote Kirsche, Sauerkirsche, süße Kirsche, schwarze Kirsche. Alles springt um diese Kirsche umher. Dann kommt weißer Pfeffer, ganz helle Lakritze, eine tolle Blumigkeit und viel Salz. Eine fast cremige, an Kalkstein und Kreide erinnernde Textur auf der Zunge und am Gaumen. Irgendwann kommt Zwetschge dazu. Das Ganze hallt für Minuten nach. Und trotzdem bleibt das irgendwie eine Art Naturwein. Eine andere Art Wein als klassischer Bordeaux. Auch innerhalb der Appellation irgendwie ein Unikat. Palmer ist wie Pontet Canet auf einem Weg etwas ganz Eigenständiges zu werden, was man entweder sehr viel höher einschätzt, oder es auf Grund der Nichterfüllung der Erwartungen eher abwerten mag. Palmer 2016 polarisiert sehr. Ich finde diesen Wein, genau wie Pontet Canet, ganz groß. Bin mir aber nicht ganz sicher, ob es irgendwann ein Riese wird. Vom Potential könnte ich es mir denken. 100/100
Cabernet Sauvignon 47%, Merlot 47%, Petit Verdot 6%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2075
Verpackt in: 6er OHK
Lobenberg: 100/100
Wine Enthusiast: 100/100
Weinwisser: 20/20
Galloni: 100/100
Jeb Dunnuck: 100/100
Jane Anson: 100/100
Suckling: 99–100/100
Parker: 98+/100
Bettane: 98–99/100
Gerstl: 20/20
Frankreich, Bordeaux, Margaux
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Palmer, , 33460 Cantenac, FRANKREICH
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