Lobenberg: Der 2022er wurde vom 6. Bis zum 13. September gelesen. Er besteht zu 55 Prozent aus Cabernet Sauvignon und zu 45 Prozent aus Merlot. Der Alkoholgehalt liegt bei 14 Volumenprozent, der pH-Wert bei 3,65. Es gab in 2022 aufgrund von Trockenheit rund 30 Prozent weniger Menge, aber der Hauptverlust war im alternativen Wein Cuvée de la House und im Zweitwein. Der Erstwein hatte eine normale Menge. Die Nase des 2022er erinnert mich unwillkürlich und sofort an Château Les Carmes Haut-Brion. Was für eine faszinierende Ähnlichkeit in dieser Fülle und Reichhaltigkeit! Satte schwarze Frucht, süße Maulbeere, Feige und Cassis – die Cabernet schlägt voll durch. Dazu Brombeere, Grafit, dunkle Lakritze und Veilchen, aber unglaublich fein und diese typische sämige, leicht an Kreidestaub erinnernde Nase, die alle Weine von La Mission bis Carmes Haut-Brion und Seguin auszeichnet. Das ist das spezielle Terroir hier! Staub, frischer Regen auf heißem Asphalt, erst am Ende kommen ein wenig Schlehe, Hagebutte und Blut durch. Druckvoll, wuchtig, mit süßer Feige und auch ein bisschen süßer Holunder. Eine unglaublich multiple Nase. Das bewegt sich langsam in hoher Eleganz weg von Les Carmes hin zu La Mission. Niemals würden wir von der Nase im Preisbereich von Seguin landen – ein großer Wein! Der Mund dann mehr La Mission als Carmes, weil er einfach schlanker, filigraner, eleganter ist. Er hat auch hier dieses kalkstaubige, diesen Regen auf heißem Asphalt und Grafit bis zum Abwinken. Dann Holunder, schwarze Früchte, Cassis – alles schlank bleibend und trotzdem hochintensiv und aromatisch, den ganzen Mund einnehmend. Ein bisschen auch an Pauillac erinnernd, an Lynch Bages. Alles tänzelt und alles wird belegt. Hochintensiv am Gaumen und auf der Zunge. Und nichts, aber auch wirklich gar nichts lässt an einen heißen, trockenen Jahrgang denken. Aber natürlich an einen perfekt reifen Jahrgang. Jahrgänge wir 2010 und 2016. Die Charakteristik von 2016 ist sicherlich die größte Dominante in diesem Wein, dazu die 2018er Reichhaltigkeit. Aber alles ist hochelegant, grandios verspielt und tänzelnd in seiner großen aromatischen Fülle, die in einem schlanken Körper auf der Zunge endet. So etwas spielerisch-leichtes, das dennoch so intensiv ist! Der Wein steht für Minuten und hört gar nicht wieder auf. Ich lege mich fest, das ist die Wiederauferstehung des 2016er, mit einem Touch mehr Aromatik und einem Touch mehr Fülle aus 2018. Fast an den Goutte Rouge 2016 herankommende, den wir abends im Vergleich dazu tranken und der glasklare 100 Punkte bestätigte. 2022 ist ein großer, aber eher noch ein wunderschöner Stoff. Ein archetypisches Abziehbild des linken Ufers – maskulin und gleichzeitig spielerisch in seiner drahtigen, tänzerischen Art. Großer, großer Erfolg! 99-100/100***Château Seguin liegt in Pessac-Léognan, also inmitten starker ozeanischer Klimaeinflüsse. Die typische Komposition der Böden ist hier ein Sand-Kies-Gemisch mit etwas Lehm. Die Böden sind identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und vor allem La Mission Haut-Brion, das ist auch in historischen Büchern nachzulesen. Seguin war in der Historie immer auf einem Qualitätslevel mit La Mission. Man findet hier minimale Einsprengsel von Lehm und Sand im Kies. Das Weingut umfasst 30 Hektar, die Reben stehen in Dichtpflanzung mit 7.000 Stöcken pro Hektar. Das ist sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse, der Ertrag je Stock ist sehr gering. Die Vergärung geschieht spontan, der Ausbau erfolgt zu 60 Prozent in neuen Barriques, zu 40 Prozent in gebrauchten. Der Besitzer, Denis Darriet erzeugt den Erstwein nur aus den älteren Reben, die inzwischen über 30 Jahre sind. Trauben von sandigeren Böden gehen in den Zweitwein, jene von den Topböden, mit Kies und etwas Lehm, gehen in den Erstwein Seguin. Seit 2018 besitzt Château Seguin die höchste staatliche Zertifizierungsstufe im Bereich der Umweltverträglichkeit. Der technische Direktor ist Xavier Moragues, der beratende Önologe Stéphane Derenoncourt.
Cabernet Sauvignon 55%, Merlot 45%
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2030–2061
Verpackt in: 12er OHK
Lobenberg: 99–100/100
Weinwisser: 95–96/100
Quarin: 95/100
Gerstl: 20/20
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Seguin, Chemin de la House, 33610 Canejan, FRANKREICH
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