Lobenberg: Im Würzgarten haben wir Einzelpfahlerziehung, uralte Reben. Eine ganz fantastische Lage mit überwiegend wurzelechten Stöcken. Neben dem Erdener Prälat stehend, auf einem roten Verwitterungsschiefer mit hohen Eisenanteilen, extrem steil, teilweise terrassiert. Sicherlich eine der ausdrucksstärksten Lagen der Mosel überhaupt. Was für eine grandiose Nase. Das Typische aus Ürzig. Orangenzesten. Einzelpfahlerziehung und kleinste Erträge aus uralten Reben – das spürt man in diesem Wein. Es ist schon erstaunlich, dass die Spätlese der so viel elegantere Wein ist neben dem Kabinett, wir sind deutlich weniger in der Exotik und viel mehr im kühlen, rauchigen Stein. Nur langsam schält sich warmer Sommerapfel, Mandarine, Sanddorn und Quittenbirne durch. Wir haben viel Gestein, viel Druck aus der Mineralität. Aber es tut nicht weh, es ist nur komplex, extrem vielschichtig. Und doch bleibt der Wein auch im Mund ein kleiner Extremist. Er ist nicht so verspielt wie das Kabinett, schon deutlich straighter und herausfordernder in seiner größeren Salzigkeit. Sehr pikant, die Zunge rollt sich auf, die Augen werden schmal, der Mund zieht sich zusammen. Wie ein Biss in eine gelbe Kiwi, wohltuend und fordernd zugleich, weil 2022 diese Delikatesse hat und die Zugänglichkeit, aber dieser Wein dennoch ziemlich straff und steinig geartet ist. Hohe Frische und Säure, die man so gar nicht erwartet hier, eine geniale Dichte dazu. Man merkt das an allen Ecken und Enden. Ein Wein, der fünf, besser zehn Jahre im Keller verbringen sollte. In der Jugend ist das schon etwas Freakstoff für Moselpuristen. Eine grandiose Spätlese allemal. Es gibt kaum Große Gewächse aus diesen Lagen hier, die an Molitor vorbeiziehen können. Diese Spätlese ist auf dem Level des Ürziger Würzgarten GGs von Ernie Loosen. Das ist großes Kino für ein langes Leben. Die warme Zitrusfrucht spielt für Minuten mit dem Stein und den Tanninen, will gar nicht wieder aufhören. Eine vergleichbare Länge und Intensität wie 2021, aber doch schon balancierter und geschmeidiger trotz seines Extremismus. Großer Wein! 97-98/100
Riesling 100%
weiß, trocken
11,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2047
Verpackt in: 6er
Lobenberg: 97–98/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
Abfüller / Importeur: Markus Molitor, Haus Klosterberg, 54470 Bernkastel-Wehlen, DEUTSCHLAND
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